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Übersicht
11-05-2013 Neuntes Jahrhundert wird lebendig
24-07-2011 Sommerklänge im Wiehengebirge
21-07-2011 Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie
für Westfalen ist umgezogen
06-07-2011 LWL-Archäologen in Bielefeld ziehen um
16-05-2010 Duo „Voice n´Play” in der Margarethenkapelle
06-09-2009 Übergabe des fertigen Schutzbaus
Kreuzkirche Wittekindsberg
2009 Von der Steinzeit bis zum 30jährigen Krieg
2006 Grabung auf der Brunsburg bei Höxter
2001 Grabungen: Kirchlengern (Kreis Herford)
     
   

11-05-2013
Neuntes Jahrhundert wird lebendig in Kreuzkirche

Novelle von Gertrud von le Fort /
Mittelalterliche Musik in der Margaretenkapelle


Minden (mt). Geheimnisvoll ist der Wittekindsberg, mit den freigelegten Grundmauern der Kreuzkirche und den vier Gräbern. Ebenso geheimnisvoll sind die Prophezeiungen der Glismuoda, einer weisen Frau, von der Gertrud von le Fort in ihrer Novelle "Das Reich des Kindes" erzählt.



In den Mauern der Kreuzkirche trägt Gertrud Roll (re.) Gertrud von le Forts Novelle "Das Reich des Kindes" vor. | MT-Foto: Koch

  Mit den Darbietungen der Musiker Sabine Lutzenberger und Baptiste Romain bietet dieser Haltepunkt der "Wege durch das Land" dem Publikum nicht nur die Reise zu einem wenig bekannten Ort, sondern auch in eine ferne Zeit. Vorbei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus dem 19. Jahrhundert führt ein Spaziergang auf dem Kammweg das Publikum zurück bis ins 9. Jahrhundert - zu dem in Europa äußerst seltenen, rätselhaften Kirchenbau in der Form eines griechischen Kreuzes. Die Mauerreste wurden 1996 durch Zufall inmitten einer Burganlage, die bis in das dritte Jahrhundert vor Christus zurückreicht, entdeckt und geben noch ebenso viele Rätsel auf, wie die darin gefundenen Gräber einer Frau und ihrer vier Kinder. Die Familie, deren Name im Dunkel der Geschichte verborgen ist, wurde jedoch nicht wie zunächst vermutet in der Kirche bestattet, sondern vielmehr die Kirche relativ kurz nach ihrem Tod über den Gräbern errichtet.Mit der Einsiedlerin Thetwif stellt Dr. Brigitte Labs-Ehlert, künstlerische Leiterin des Festivals, in ihrer Begrüßung noch einen weiteren Bezugspunkt zu der Novelle der in Minden geborenen Dichterin her, die zum Katholizismus konvertierte und sich häufig mit religionsphilosophischen Fragen auseinandersetzte. Sie greift mit der Erzählung Geschehnisse aus dem 9. Jahrhundert auf, als die Konradiner Karl den Dicken absetzen und Arnulf zum König machen. Doch als der den Thron besteigt, lautet der Spruch der Seherin Glismuoda: "Ich seh´ nicht die Kraft zum Throne schreiten, ich seh´ zum Throne schreiten ein kleines schwaches Kind." Gemeint ist Arnulfs Sohn Ludwig, der als Kind König wird, aber im Ansturm der Hunnen umkommt. Gertrud von le Fort greift in ihrer Novelle nicht nur eine Geschichte, sondern auch sprachliche Wendungen aus dem Mittelalter auf. Mit ihrem emotional zurückhaltenden Vortrag gelingt es Gertrud Roll, den Zuhörern diesen nicht ganz einfachen Text mit klug gewähltem Tempo und wohlgesetzte Pausen zu erschließen.Nach der Pause wechselt das Publikum zwar den Ort, die Stimmung bleibt jedoch erhalten. Von der Kreuzkirche geht es in die im zwölften Jahrhundert errichtete Margaretenkapelle, die möglicherweise mit dem auf dem kurze Zeit existierenden Kloster in Verbindung steht. In dem schlichten romanischen Bau singt Sabine Lutzenberger Lieder aus dem Byzanz des neunten Jahrhunderts, die ebenso fremd klingen wie die Gedankenwelt Arnulfs. Die Sängerin, die sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit Musik des Mittelalters beschäftigt, trägt die kunstvollen Gesänge in altgriechischer Sprache vor und ergänzt sie mit einer gesprochenen Übersetzung. Baptiste Romain spielt dazu Renaissancevioline und Dudelsack und bildet mit den leicht schnarrenden Klängen einen schönen Kontrast zu Lutzenbergers klarer Stimme. Mit französischer Musik aus dem 13. Jahrhundert endet das Konzert mit tänzerischen Klängen, obgleich die Texte die Marienverehrung ausdrücken. Wie schön, dass die Rückkehr in die Gegenwart über einen Spaziergang führt.
     
  VON URSULA KOCH
Copyright © Mindener Tageblatt 2013
     
         
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24-07-2011
Sommerklänge im Wiehengebirge
Musik und Ort harmonieren /
Voice n Play in der Margarethenkapelle

Minden (VK). Das schlechte Wetter war bei der Planung garantiert nicht vorherzusehen. Dennoch: Die historische Margarethenkapelle auf dem Wittekindsberg war am Sonntagnachmittag voll besetzt, denn die "Sommerklänge" von "Voice ´n´ Play, alias Cathrin Pieper und Thomas Walter lockten ins Wiehengebirge.

Die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen hatte nicht nur ein volles Haus, sondern mit Marianne Thoman-Stahl auch die Regierungspräsidentin zu Gast. Die Einnahmen des Konzertnachmittages kommen dem Schutz der Kreuzkirche Wittekindsberg (10. Jahrhundert) zugute.

Die Programmgestaltung von Cathrin Pieper (Mezzosopran), die im Mindener Land keine Unbekannte ist und Pianist Thomas Walter, der seit 17 Jahren als Musiklehrer an Mindener Schulen arbeitet, passte sehr gut zur geschichtsträchtigen Umgebung insbesondere der kleinen verwunschenen Kapelle. Thomas Walter nutzte die Möglichkeiten seiner E-Pianos aus, die Bandbreite ging vom Spinett bis hin zu Orgelklängen. Cathrin Pieper verstand es mit ihrer glockenklaren Stimme deutschen wie auch internationalen Klassikern die entsprechende Note zu geben. Jung und Alt lauschten gespannt und spendeten reichlich Applaus. Die teils launige Zwischenmoderation übernahm Astrid Pieper.

Deutsche (Volks)-Lieder von "Viel Wollust mit sich bringet" von 1598 über "Die Lorelei" von Heinrich Heine bis zu "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius standen auf dem Programm. Doch auch international bekannte Lieder wie "Summertime" von George Gershwin oder "En sagrado en vigo", ein Lied aus Galicien des 13. Jahrhunderts fand Gehör. Ob es langfristig hilft? Gemeinsam mit dem Publikum wurde zum Schluss "Lachend in den Sommer" angestimmt. Immerhin war es wieder einmal eine gute Idee, Musik an einem ungewöhnlichen Ort zur präsentieren. Vom Angebot zur Besichtigung der Kreuzkirche wurde trotz etwas matschiger Wege reichlich Gebrauch gemacht.

VOLKER KNICKMEYER
Copyright © Mindener Tageblatt 2011

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Mit internationalen Liedern unterhielten Cathrin Pieper und Thomas Walter in der Margarethenkapelle. | Foto: Knickmeyer



 

21-07-2011
Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie
für Westfalen ist umgezogen

Die Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen ist umgezogen
und befindet sich im „Lenkwerk” (ehem. Luftwaffenbekleidungsamt -
www.lenkwerk-bielefeld.de), Am Stadtholz 24a, 33609 Bielefeld.
Telefonisch ist sie nun unter der Vorwahl des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe, Münster zu erreichen:
0251-591 8961

Neue Anschrift:
LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld
Am Stadtholz 24 a
33609 Bielefeld
Telefon: 0251 591-8961
Fax: 0251 591-8989
E-Mail: lwl-archaeologie-bielefeld (at) lwl.org
www.lwl-archaeologie.de

 

Kerstin Dirkschneider (Management LENKWERK, Bielefeld) am
17. Juli 2011 bei der Eröffnung des Baukomplexes, der von nun
an auch die Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen beherbergt.
 

Ruhe vor dem Sturm für Dr. Werner Best am Tag der offenen Tür
(17.7.2011). Wenig später fanden sich Tausende von Menschen
ein und informierten sich stundenlang über die Arbeit der LWL-Archäologie für Westfalen sowie über deren neue Räumlichkeiten.
 
         
         
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06-07-2011
LWL-Archäologen in Bielefeld ziehen um
Bielefeld (lwl). Über 350 Funde der vergangenen Jahre, wissenschaftliche Skripte, Publikationen und natürlich das ganz normale Büromaterial - alles zusammen mehr als 800 Umzugskartons haben die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Bielefeld wochenlang gepackt. Nach fast 20 Jahren ziehen die Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen von der Kurzen Straße in ihr rund vier Kilometer entferntes neues Domizil am Stadtholz 24 a um.

"Wir brauchten dringend mehr Platz", meint Außenstellenleiter Dr. Daniel Bérénger, "und wer sich unser neues Heim einmal ansehen möchte, der ist herzlich zu unserem Tag der offenen Tür am 17. Juli eingeladen."

Ab dem 7. Juli ist die Außenstelle an der neuen Adresse erreichbar.

Mit dem Umzug gibt es auch eine neue Telefonnummer:
die LWL-Archäologie in Bielefeld ist dann unter münsterischer Vorwahl,
Telefon: 0251 591-8961, zu erreichen.

Neue Anschrift:
LWL-Archäologie für Westfalen Außenstelle Bielefeld
Am Stadtholz 24 a
33609 Bielefeld
Telefon: 0251 591-8961
Fax: 0251 591-8989
E-Mail: lwl-archaeologie-bielefeld (at) lwl.org
www.lwl-archaeologie.de

Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und
Eva Masthoff, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8920,
presse (at) lwl.org

Quelle: www.lwl.org

 

Funde und Büromaterial - mehr als 800 Kartons packten die
Archäologen in Bielefeld in den letzen Wochen. Auf dem Bild:
Dr. Daniel Bérénger, Leiter der Außenstelle Bielefeld der
LWL-Archäologie für Westfalen.

Foto: LWL/ C. Hildebrand
 
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16-15-2010
Duo "Voice n´Play" in der Margarethenkapelle
Blumen des Frühlings

Minden (ag). Theaterpumps waren bei diesem Veranstaltungsort tabu. Über aufgeweichte Waldwege ging es am Sonntagnachmittag vorbei am Berghotel "Wittekindsburg", das schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat, zur spätromanischen Margarethenkapelle.

Und auch dort passte keine feine Garderobe. Im schlichten einschiffigen Saalbau warteten Decken auf die zahlreichen Zuhörer. Der Atem legte einen sichtbaren Kältehauch in den Raum. Dafür wurde das Publikum aber mit einem bezaubernden Klangerlebnis entlohnt. Das Duo "Voice n´Play" - mit Mezzosopran Cathrin Pieper und Thomas Walter an E-Piano und Synthesizer - hatte sich ein stimmungsvolles Programm einfallen lassen.

"Flowers of Spring" nannte sich das dreiteilige Konzert. Es ging vor allem in den "British Ballads" im ersten und letzten Part um Sehnen, Hoffen, Bangen, um Herzeleid und verlorene Liebe. Anrührend, ergreifend und überzeugend verstanden beide Künstler es, den Funken auf das Publikum überspringen zu lassen. "Ich lege mit meinen Klängen das Grundmuster und die Farben eines Klangteppichs, auf dem Cathrin mit ihrer Stimme gehen kann", erklärte Thomas Walter. Als gelernter Organist konnte ihm die Kälte wenig anhaben. Der Sängerin half zwischendurch ein Schluck Salbeitee. "Die Kapelle trägt die Stimme optimal", wusste sie die Klangmöglichkeiten zu schätzen.

Cathrin Pieper erläuterte zu den einzelnen Balladen kurz den Inhalt und bezog auch das Publikum charmant ein. Auftakt bildete das in Irland bekannte und viel interpretierte Lied "She Moved Through The Fair", was seinen Ursprung um 1600 haben soll, vielleicht aber schon in die Zeit der Entstehung der Kapelle zu datieren ist. Und das wäre das 13. Jahrhundert. So erzählte die Sängerin Geschichten und ihre Lieder taten ein Gleiches. Musiklehrer Thomas Walter nahm mit seiner sonoren Stimme und der Räubergeschichte von "Whiskey in the Jar" ein.

Frühlingslieder und britische Balladen
Im zweiten Teil dann Frühlingslieder aus Deutschland, Finnland, Ungarn, Schottland und den Niederlanden. Als Studentin der Finnougristik liegen Cathrin Pieper die Sprachen besonders. Klassiker wie "Komm, lieber Mai" und "Leise zieht durch mein Gemüt" interpretierte die Sängerin äußerst einfühlsam. Nach einer weiteren Pause folgten erneut britische Balladen, von recht heiter bis tiefernst. Andachtsvoll zum Abschluss "Amazing Grace".

Das Publikum forderte noch zwei Zugaben ein, bei denen dann auch mitgesungen, geschunkelt und geklatscht werden konnte. Auch wenn die Füße kalt geblieben sind, die Herzen wurden erwärmt und die Sonne schickte zwischendurch ihre Strahlen durch das bunte Butzenglas. 650 Euro an Eintrittsgeldern brachte das Konzert ein. Der Veranstalter, die "Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen", wird das Geld in den Schutz der Grundmauern der Kreuzkirche Wittekindsberg investieren.

Text: Copyright © Mindener Tageblatt 2010
ANDREA GERECKE

 

Das Duo "Voice n´Play", Cathrin Pieper und Thomas Walter
 
 
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06-09-2009
Übergabe des fertigen Schutzbaus
Kreuzkirche Wittekindsberg

Minden: Nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit konnte der gläserne Schutzbau der Kreuzkirche jetzt mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung fertig gestellt werden. Die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Prof. Dr. Wilfried Stichmann, Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung, der Landrat Dr. Ralf Niermann und Frau Dr. Barbara Rüschhoff-Thale , LWL-Kulturdezernentin und Dr. Otto-Werner Rappold von der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen (GeFAO) als Bauherr übergaben die überregional bedeutende Sehenswürdigkeit auf dem Wittekindsberg am Sonntag, den 6. September der Öffentlichkeit. In ihren Grußworten gingen sie auf die außerordentliche, überregionale Bedeutung dieses Bodendenkmals auf dem Wittekindsberg ein. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der finanziellen Unterstützung der hiesigen Wirtschaft, der Arbeitsämter Herford-Minden und der NRW-Stiftung.

1996 wurden durch Wissenschaftler in Lehmmörtel verputzte kreuzförmige Grundmauern auf dem Wittekindsberg entdeckt. Im Inneren der Mauern fand man außerdem die Grabstätten einer fünfköpfigen Familie, eine Mutter mit vier Kindern. Eine insgesamt sensationelle Entdeckung aus dem 10. Jahrhundert, wie sich bald herausstellte. Ein wissenschaftliches Kolloquium, das die GeFAO 1998 initiierte, machte deutlich, dass der Grundriss auf dem Wittekindsberg eine archäologische und baugeschichtliche Rarität darstellt, die weit über die Grenzen Ostwestfalens von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung ist. Bisher wusste man nur von vier vergleichbaren Bauten aus dem 10. und 11. Jahrhundert in Europa, die in Form eines griechischen Kreuzes angelegt sind - eins davon ist heute noch in Trier sichtbar. Die Kreuzkirche auf dem Wittekindsberg gilt somit als frühes und seltenes Zeugnis des Christentums in Westfalen und als eine der ältesten bekannten Familiengrabstätten Deutschlands.

Die historischen Fundament- und Mauerreste waren nur durch Lehmmörtel gebunden und mussten vor den Witterungseinflüssen geschützt werden. 1999 begannen die Planungen des Fördervereins GeFAO für einen Schutzbau, den Auftrag erhielt der Architekt Joachim Tebel aus Paderborn. Sein Vorschlag sollte eine weitere Sehenswürdigkeit auf dem Wittekindsberg werden – ein leicht und transparent gestaltetes Schutzgebäude, empfindsam auf die sensible Naturumgebung abgestimmt, dabei die Wünsche und Bedürfnisse der Besucher berücksichtigend.

Der Förderverein warb in der Region und der bei der heimischen Wirtschaft für das Projekt und bemühte sich um Spenden für den Bau. Bereits 2001 wurde das Richtfest gefeiert. Im September 2003 konnte die erste Baustufe fertig gestellt werden und der gläserne, mehreckige Schutzbau mit dem schräg geneigten und eingegrünten Dach der Öffentlichkeit vorgestellt werden – noch ohne Rundgang, Empore und behinderten geeigneten Zuweg. Doch das Schutzgebäude war bereits rundum verglast und schützte somit die empfindlichen Fundament- und Mauerreste.

Im April 2007 kam die Zuschuss-Zusage der NRW-Stiftung zur Finanzierung des fehlenden Rundgangs, der Empore und des Zuwegs, der auch für Behinderte geeignet sein sollte. Der Vorstand der NRW-Stiftung war bei seiner Entscheidung von der Bedeutung des Bodendenkmals und der Notwendigkeit seiner besseren Erschließung vor allem für behinderte Besucher und Schulklassen überzeugt. In den letzten Wochen konnte der Schutzbau wie vom Architekten Tebel geplant fertig gestellt werden, als letzte Maßnahme wurde der behinderten geeignete Zuweg angelegt. Der um die mehreckige Glasfront laufende Metallgitter-Laufsteg bietet den Besuchern einen ungestörten Rund-um-Blick auf die kreuzförmigen Grundmauern mit den fünf Grabstätten. Ein Blick vom Hochpodest zeigt die beeindruckende Symmetrie des nach dem Grundriss eines griechischen Kreuzes angelegten Sakralbaues.

Am 6. September wurde der endgültig fertig gestellte Schutzbau nach fast 10 Jahren Planungs- und Bauzeit der Öffentlichkeit vorgestellt und übergeben. Für den Bauherrn, die GeFAO, waren es lange, akquisitionsreiche, zeitweise auch beängstigende Jahre, wenn die Spenden nicht so eingingen, wie geplant und gehofft. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der finanziellen Unterstützung der hiesigen Wirtschaft, der Arbeitsämter Herford-Minden und der NRW-Stiftung. Eine lange Sponsorentafel im Inneren des Schutzbaus spricht für das Interesse der Region an dem einzigartigen Bodendenkmal.

Weblink:

www.nrw-stiftung.de/news.php?nid=80

 

Der Schutzbau am 6. September 2009
 

Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl
(Regierungsbezirk Detmold)
 

Prof. Dr. Wilfried Stichmann, Vorstandsmitglied der NRW-Stiftung
 
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2009
Porta Westfalica-Barkhausen, Kr. Minden-Lübbecke
Von der Steinzeit bis zum 30jährigen Krieg

Anfang Juli 2008 haben in Porta Westfalica-Barkhausen Funde aus der Zeit der römischen Okkupation Germaniens überregional für Aufsehen gesorgt. Eine Aucissafibel und eine Bronzemünze des keltischen Stammes der Remer, deren Angehörige Hilfstruppen im römischen Heer stellten, gaben in dem neu erschlossenen Baugebiet „Auf der Lake“ erste Hinweise auf ein römisches Marschlager. Deshalb entschloss sich der LWL-Archäologie für Westfalen, großflächige Ausgrabungen auf diesem Platz durchzuführen, die am 2. Juli 2008 begannen und auch derzeit noch andauern.

Seit dem Beginn der Arbeiten legen zahlreiche weitere Funde und Befunde nahe, dass hier römisches Militär zur Zeit des Augustus Station machte. Neben Münzen, Fibeln, Schuhnägeln von Legionärssandalen, dem Verschluss eines Kettenpanzers und zwei Bleiloten aus der römischen Vermessungsausrüstung sind es vor allem drei eiserne Zeltnägel, die besondere Aufmerksamkeit erregen.

Es sind ca. 25 cm lange, vierkantige Eisenstäbe mit einem eingehängten Ring am oberen Ende. Sie dienten zum Abspannen lederner Legionärszelte, die jeweils acht Personen Schutz vor der Witterung bieten konnten. Darüber hinaus sind Reste von mehreren Feldbacköfen gefunden worden. Die Datierungen der Funde, vor allem der Münzen, weisen auf römische Präsenz hin; nach derzeitigem Untersuchungsstand während aller römischen Eroberungsfeldzüge von Drusus bis Germanicus.

Das zeitliche Spektrum der Funde und Befunde beschränkt sich aber nicht auf die Epoche der römischen Feldzüge sondern ist erstaunlich weit gespannt.

Die bisher ältesten archäologischen Funde sind zwei kleine Scherben der sog. Trichterbecherkultur, einer jungsteinzeitlichen Kulturgruppe, die vor ca. 5 000 Jahren hier gelebt hat. Ein sehr junger Fund sind die Fragmente eines farbig angelegten Tongefäßes aus dem 17. Jahrhundert, das vermutlich aus einer Werkstatt des nahe gelegenen Bad Münder stammt.

Überraschend wurde ein sehr umfangreiches Urnengräberfeld der jüngeren Bronzezeit und der älteren Eisenzeit entdeckt. Die tönernen Aschebehälter enthalten die Knochenreste der verbrannten Toten und bisweilen ein weiteres kleines Tongefäß, in dem die Hinterbliebenen Speisen oder ein Getränk für die Reise in das Jenseits mitgaben. Erstaunlich ist die starke Belegungsdichte des Friedhofes. So befanden sich etwa im nordöstlichen Untersuchungsbereich in einer Fläche von nur ca. 30 qm mehr als 40 Bestattungen.

Neben verschiedenen Einzelfunden, etwa zwei Gewandspangen aus dem 9. und 10. Jahrhunderts nach Christus, oder zwei Körpergräbern des 7. nachchristlichen Jahrhunderts ist eine weitere, immer wieder nachzuweisende Befundgattung stark mit Holzkohle verfüllte Gruben in denen sich zahlreiche Eisenteile, darunter auch Messer, und Tierknochen fanden. Der Fund einer kleinen Silbermünze mit dem Prägedatum 1621 in einer dieser Gruben erlaubte es, die Befunde der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zuzuweisen. Unklar ist bisher noch ihre Interpretation. Es ist aber nicht auszuschließen, sie im Zusammenhang mit einem Lagerplatz von Landsknechten zu sehen.

Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei diesem Fundplatz, dem Baugebiet „Auf der Lake“, um ein kulturhistorisch außergewöhnlich wertvolles Gelände handelt. Das große öffentliche Interesse wird nicht zuletzt durch den großen Besucherstrom deutlich, der sich jeweils zum Tag des Offenen Denkmals auf dem Grabungsgelände einfand, um sich die laufenden Grabungen, die neuesten Grabungsergebnisse und die zukünftigen Planungen erläutern zu lassen.

Hannelore Kröger

 
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2006
Grabung auf der Brunsburg bei Höxter

Im Sommer 2006 entdeckten LWL – Archäologen auf der Brunsburg bei Höxter eher zufällig einen der am besten erhaltenen Kalkbrennöfen Westfalens. Die Grabungen an diesem außergewöhnlichen vorindustriellen Denkmal sind 2007 abgeschlossen worden.

Der Kalkbrennofen war in einen älteren Wall und in den darunter anstehenden Kalkfelsen hineingebaut. Der noch bis ca 3m tief erhaltene Brennraum mit einem Durchmesser von ca. 4 m war nach Nordwesten durch ein Schürloch zugänglich, dem sich ein breiter Arbeitsgraben anschloss.

Das völlig erhaltene Schürloch mit 0,7 m Breite und 1,0 m Höhe überdachte ein sorgfältig gebautes Gewölbe aus Kalksteinen in Lehmbindung. Die hohen Temperaturen beim mehrtägigen Brennen des Kalkes von 900° - 1200°C dokumentierten sich in den rot durchglühten Wänden des Ofens.

In seiner Füllung fanden sich einige Keramikscherben aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die die Anlage nicht zweifelsfrei datieren können. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, den Ofen mit dem Bau bzw. der Unterhaltung der um 1200 von Abt Widukind von Corvey errichteten Landesburg zu sehen.

Eine zweite Untersuchung galt einem Teil des westlichen Walles der Brunsburg, von dem immer wieder angenommen wurde, er sei im Frühmittelalter zur Zeit Karls des Großen entstanden. Mit dem Grabungsschnitt konnte diese Annahme nicht bestätigt werden. Die Umwehrung bestand an dieser Stelle aus einer einfachen Erdaufschüttung mit ca. 6m Breite an der Basis und einer erhaltenen Höhe von ca. 1,4m.

Interessant war die Feststellung, dass sich in der Aufschüttung zahlreiche Keramikbruchstücke von Gefäßen der sog. Wartbergkultur ( ca. 5000 Jahre alt) befanden. Damit ist endgültig eine Besiedlung in der ausgehenden Jungsteinzeit auf dem Berg nachgewiesen. Zum Bau der Verteidigungsanlage ist ganz offensichtlich eine wartbergzeitliche Siedlungsschicht verwendet worden. Die Frage, wann das geschehen ist, läßt sich allerdings nicht beantworten.

Die diesjährige Grabungskampagne, die mit Studierenden der Universität Basel durchgeführt wurde, bildet den Abschluss der archäologischen Untersuchungen auf dem Brunsberg. Die freigelegten Befunde werden in diesem Herbst wieder mit Erde bedeckt.

 
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2001
Grabungen: Kirchlengern (Kreis Herford)

In Kirchlengern (Kr. Herford) wurde im Herbst 2001 entlang eines etwa in Nord-Süd verlaufenden Bachlaufes erste Suchschnitte angelegt.  Im Jahr 2002 wurden die Ausgrabungen auf einer Fläche von ca. 0,5 Hektar fortgeführt. Während die nördlichen Flächen wenig ergiebig waren, sind die mittleren und südlichen Grabungsabschnitte außerordentlich gut mit Befunden besetzt. Bislang ließen sich drei Besiedlungsphasen feststellen.

In der älteren Eisenzeit, bzw. in das 6. - 5. Jahrhundert v. Chr. gehören ein fragmentarisch überliefertes Pfostenhaus und einzelne weitere Befunde. Das Haus zeichnet sich durch dicht gesetzte Pfosten mit zwei den Dachfirst tragenden Doppelpfosten ab, die eine Fläche von ca. 7 x 10 m einschließen. Viel spricht aber dafür, dass eine etwa in der Flucht der Mittelachse kreisförmige Grube mit ebenem Boden und vereinzelte weitere Pfosten ebenfalls zu dem Grundriss gehören, der damit ehemals ca. 20 m lang gewesen wäre. Die Grube erbrachte eine größere Menge ältereisenzeitliche Keramik, darunter auch flächendeckend mit plastischen Rippen verzierte sogen. "Kalenderberg-Ware".

In der mittleren bis jüngeren römischen Kaiserzeit, d. h. im 2/3 Jahrh. n. Chr. liegt der Schwerpunkt der Besiedlung. Aus dieser Phase stammen zwei Langhäuser, ein Grubenhaus und weitere Befunde. Eines der Häuser war ca. 8 m breit und mindestens 45 m (!) lang. Das nordwestliche Ende ist am Hang teilweise aberodiert. Der Grundriss ist durch umlaufende Wandgrabensegmente und Pfosten im Inneren markiert. Er gehört zu den größten bisher bekannt gewordenen kaiserzeitlichen Häusern in Westfalen. Die Wandgräben erbrachten nicht nur datierende Keramik, sondern auch die bronzene Nachbildung eines römischen Silberdenars, der unter Antonius Pius für Aurelius Caesar (145 - 160 [?] n. Chr.) geprägt wurde. Das benachbarte Grubenhaus ist wohl als zugehöriger Werkplatz anzusprechen, da es neben Keramik auch Schlacke und Mahlsteinbruchstücke aus Basalt erbrachte. Das zweite kaiserzeitliche Langhaus entspricht in wesentlichen Konstruktionsmerkmalen dem zuvor beschriebenen. Es ist ca. 7,5 m breit, mindestens 32 m lang und harrt unter Planen abgedeckt der weiteren Ausgrabung im Frühjahr 2003.

In das 12, Jahrhundert datiert ein Haus (ca. 7,5 x 21 m) der dritten Besiedlungsphase, in dessen Pfostenlöchern Kugeltopfscherben gefunden wurden. Der Beginn einer bis in die Gegenwart andauernden landwirtschaftlichen Nutzung zeigen hangparallele Streifen in ca. 7,5 m Abstand - Relikte von hoch- bis spätmittelalterlichen Wölbackerfluren - an, mit denen große Teile des Grabungsgeländes überzogen sind .

 
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