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Wittekindsburg Projekte
 
 
   
 
 
Die Wittekindsburg ist eine Fliehburg auf dem Wittekindsberg im Wiehengebirge. Sie liegt im Kreis Minden-Lübbecke in einer Höhe von
238 m ü. NN. Die Gesamtanlage ist 650 Meter lang und rund 100 Meter breit.
 
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Die Kreuzkirche
1996 konnten archäologische Untersuchungen auf der Wittekindsburg ein neues Bodendenkmal erschließen, das weit über die Grenzen Ostwestfalens von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung ist.

Die Ausgrabungen legten die Grundmauern eines kreuzförmigen Gebäudes, eines sog. Zentralbaues frei, der ohne jeden Zweifel als Kirche anzusprechen ist. Die in der Regel 1,1 m breiten und z.T. noch bis 0,8 m hoch erhaltenen, in Lehm verlegten Bruchsteinmauern bilden die Form eines griechischen Kreuzes von etwa 14 m Länge bzw. Breite. Der absolut symmetrische Grundriss bildet vier quadratische Räume von etwa 4 X 4 m Größe, die sich um einen ebenso dimensionierten zentralen Raum gruppieren.

Im südlichen und westlichen Innenraum der Kirche konnten Reste von insgesamt fünf Gräbern freigelegt werden, wovon drei sicher als Kindergräber anzusprechen sind:
1. Kind, 1-2 Jahre alt, Geschlecht unbestimmt
2. Junge, ca. 4 Jahre alt
3. Mädchen, 6-7 Jahre alt
4. Mädchen, ca. 4 Jahre alt
5. Frau, erwachsen.

 

Planausschnitt mit Wall, Kreuzkirche und Mauer.

 
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Der Burgwall der Wittekindsburg
Der Wall der Wittekindsburg In den Jahren 1993, 1994 und 1996 erforschten Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe an zwei Stellen den nördlichen Wall der Wittekindsburg, die bis dahin als rein frühmittelalterliche Wallburg bekannt war und in den Sachsenkriegen Karls des Großen eine Rolle gespielt haben soll.

Es ist der Aufmerksamkeit und dem ehrenamtlichen Wirken Rolf Plögers vom Mindener Museum zu verdanken, dass diese Grabungen stattfanden. Er meldete damals unverzüglich dem Amt für Bodendenkmalpflege in Bielefeld zwei Störungen im nördlichen Wall, die aufgrund bodendenkmalpflegerischer Erwägungen archäologisch untersucht werden mußten.

In beiden Schnitten gelang die Beweisführung, dass die Wittekindsburg bereits in vorchristlicher Zeit, im 3./2. Jahrhundert vor Christus angelegt wurde. Diese erste Burgmauer bestand aus einer hölzernen, durch senkrecht stehende Pfosten gestützte Front mit einem vorgelagerten, flachen Sohlgraben. Mit Erde und dem Aushub des Grabens wurde die Front zur Stabilisierung hinterschüttet. Möglicherweise waren die früheren Verteidiger durch eine Brustwehr aus Flechtwerk zusätzlich geschützt.

Zahlreiche Keramikfunde hinter dem Wall deuten an, dass die Burg in der vorrömischen Eisenzeit zumindest stellenweise besiedelt war. Eindeutige Spuren von Häusern konnten in den schmalen Schnitten allerdings nicht nachgewiesen werden. Wann und warum diese Verteidigungsanlage aufgegeben wurde, ist unbekannt. Sicher ist, dass die Front irgendwann zusammenbrach, weil die hölzernen Stützpfosten verfaulten und dem Druck des Erdwalles nicht mehr standhielten.

Viele Jahrhunderte lag das Gelände brach und erst gegen Ende des 9. oder zu Beginn des 10. Jahrhunderts nach Christus, lange nach den Kämpfen zwischen Franken und Sachsen, ließ ein heute unbekannter Herr eine neue Burg erbauen, die nun von einem Mauerring aus Stein geschützt wurde. Die an ihrer Basis etwa 2,4 m dicke Mauer aus in Lehm verlegten Bruchsteinen orientierte sich exakt an den zerfallenen Wällen aus der vorrömischen Eisenzeit. Ihre vermutliche Höhe von etwa 3 m konnte durch weitere Grabungsbefunde erschlossen werden. Auch die frühmittelalterlichen Verteidiger verbargen sich bei Angriffen hinter einer zusätzlichen Brustwehr aus Flechtwerk oder Holz. An der nördlichen Flanke war ein Graben vor der Mauer nicht mehr nachweisbar. An der östlichen Flanke, die den Rücken des Wiehengebirges absperrt und besonders gefährdet war, ist heute noch eine flache Grabenmulde zu sehen.

Auch das Ende dieser Burg kann nicht eindeutig festgelegt werden. Als aber im Jahre 997 Bischof Milo von Minden von König Otto III. den Schutz für ein Frauenkloster auf dem Wittekindsberg erbittet, wird die Burg als Verteidigungsanlage nicht mehr existiert haben.

 

Rekonstruierter Verlauf des Walls mit dem Häverstädter Tor.
 

So sieht der Burgwall im äußersten Westen der Wittekindsburg heute aus. Noch immer zeigt er eine beeindruckende Höhe.
 

Rekonstruktion einer Burgmauer aus der vorrömischen Eisenzeit nach Befunden der Hünenburg bei Bielefeld.
 
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Das eisenzeitliche Burgtor (Häverstädter Tor)
Verschiedendlich wurde geäußert, dass die Wittekindsburg schon in der vorrömischen Eisenzeit entstanden sein könnte, nicht zuletzt wegen der Torkonstruktion mit überlappenden Wallenden. Die zeitliche Einordnung gründete sich allein auf allgemeine historische und archäologische Erwägungen.

1990 fasste Rolf Plöger im Heft 11 "Frühe Burgen in Westfalen" den damaligen Forschungsstand zusammen und 1997 erfolgte mit Hilfe der Altertumskommission für Westfalen, Münster, eine dringend erforderliche, neue topografische Aufnahme der Anlage.

1993 begannen Grabungen in der Burg, die sich zuerst auf zwei durch Forstarbeiten verursachte Zerstörungen im Nordwall konzentrierten. Im Zuge dieser Untersuchungen wurden auch die Reste der Befestigung aus der mittleren vorrömischen Eisenzeit in beiden Schnitten nachgewiesen. Sie bestand mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer hölzernen Front mit Erdhinterschüttung und vorgelagertem, muldenförmigem Graben. Allerdings konnten Spuren der charakteristischen Frontpfosten bisher noch nicht nachgewiesen werden. Unmittelbar hinter dem Wall fanden sich zahlreiche Keramikbruchstücke, darunter Randstücke von Schrägrandschüsseln, die eine Datierung in das 2. Jahrhundert vor Christus zulassen. Die Menge der gefundenen Keramik weist auf eine dauerhafte Besiedlung hin, Spuren von Häusern wurden jedoch nicht aufgedeckt.

Durch eine archäologische Neuentdeckung im Jahre 1998 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zur Wittekindsburg gehörende Siedlung des 2. Jahrhunderts vor Christus in Porta Westfalica-Barkhausen entdeckt worden. Der Siedlungsplatz ist von der Burg nur etwa 1200 m Luftlinie entfernt. Die dort gefundenen Keramikscherben geben einen Eindruck vom damaligen Haushalts- und Vorratsgeschirr wieder.

 

Planausschnitt mit dem eisenzeitlichen Tor.
 

So zeigt sich heute (Foto von 2003) die Anlage des eisenzeitliches Tors. Der Blick geht vom Inneren der Burg zum Tor (Richtung Häverstädt). Die überlappenden Wallenden sind noch gut zu erkennen. Der Weg in der Mitte, der den Berg hinunterführt, geht genau durch das Tor in Richtung Häverstädt.
 
 

Rekonstruktion des Wallaufbaus. (Außenseite und Innenseite)
 
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Bergbau auf Eisenerz im Wiehengebirge
Allgemein unbekannt sind die Vorkommen von Eisenerz im östlichen Wiehengebirge und deren bergmännischer Gewinnung seit mehr als 100 Jahren. Wichtigstes Flöz ist das Wittekindsflöz, das mit 21 bis 35 Grad nach Norden einfällt. Es hat eine Mächtigkeit von 1 bis 2 m, der Eisengehalt beträgt zwischen 23 und 27%.

Auf die frühesten Anfänge des Erzabbaus deuten möglicherweise zahlreiche Ausbrüche in den Felsen südlich der Wittekindsburg, da das Flöz hier zu Tage tritt. Die erste nachweisbare Periode der bergmännischen Gewinnung von Eisenerz begann um 1856 im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme eines Hüttenwerkes in der Porta Westfalica. Die Erzförderung fand im Tagebau (Grube Conradine, westlich der Margarethenkapelle) und später im Untertagebau statt, z.B. an der Wittekindsquelle und unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals (Grube Georg). Um 1868 kam es zum Konkurs der Eisenhütte und damit zu einem vorläufigen Erliegen des Bergbaus.

Ab 1890 wurde im Königsberg, rund 1 km nordwestlich der Wittekindsburg, wieder Eisenerz gefördert (Königsberger Stollen). Wegen des schwierigen Abtransportes des geförderten Erzes und des für damalige Verhältnisse geringen Eisengehaltes wurde der Betrieb nach zwei Jahren wieder eingestellt.

Aufgrund der Autarkiebestrebungen des "Dritten Reiches" gewann das Erzvorkommen im Wiehengebirge erneut an Bedeutung. 1935 begann man mit Aufschlussarbeiten in Minden-Häverstädt. Neben dem älteren "Königsberger Stollen" wurde der 100 m lange "Häverstädter Stollen" aufgefahren. Danach erfolgten von der Südseite des Gebirges die Erstellung des "Weserstollens" (764 m) und 1936 des "Wittekindsstollen" (266 m). Auf der Nordseite wurden 1937 bis 1940 der "Peckelohstollen" (750 m), 1937/38 der "Dützer Stollen" (214 m) und der "Biemker Stollen" (256 m) aufgefahren. Auf der Südseite des Wittekindsberges kam schließlich noch der "Denkmalstollen" (130 m) hinzu. In Dützen begann man mit der Errichtung einer Schachtanlage und baute eine bis nach Neesen führende Bahnlinie für den Erztransport. Die höchste Produktion von 604.000 t wurde 1940 mit 1140 Bergleuten erzielt.

Nach Kriegsende wurde der Betrieb zunächst eingestellt, aber schon 1946 wieder aufgenommen. 1960 wurden mit 300 Bergleuten rund 300.000 t Eisenerz gefördert. Bedingt durch den geringen Eisengehalt des Flözes und die ungünstigen Förderbedingungen, die eine großzügige Mechanisierung erschwerten, musste die Eisenerzgrube Porta 1963 stillgelegt werden.

om Eisenerzbergbau im Wiehengebirge zeugen heute nur noch wenige Spuren, obwohl das Gebiet vom „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ im Osten bis etwa zur „Lutternschen Egge“ im Westen auf rund 6 km Länge von Stollen durchzogen ist. Die ehemaligen Stollenmundlöcher wurden verschlossen, z.T. überformt und sind nur noch schwer auszumachen. Erhalten blieben Teile der Übertageanlagen in Dützen (heute ein Freizeitpark).

Rolf Plöger

 

Planausschnitt mit der Mulde des Bergbaugebiets und der versiegten Wittekindsquelle
 

Noch erkennbare Rest des Erzbergbaus in der Wittekindsburg, westlich der Margarethenkapelle (Grube Conradine).
 

Stollenmundloch aus der Zeit um 1860 nahe der Wittekindsquelle
 
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Die Wittekindsquelle
Die heute versiegte Quelle sicherte zunächst die Wasserversorgung der Bewohner der Wittekindsburg. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert wurde sie zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Quelle wurde später eingefasst (im oberen Teil der Einfassung ein Relief mit Darstellung des sog. Quellwunders) und das Wasser speiste einen kleinen Teich.

Im Jahre 1938 versiegte im östlichen Wiehengebirge auch die Wittekindsquelle, nachdem durch den Eisenerzbergbau die wasserführenden Schichten im Berg unterbrochen worden waren.

Die Wittekindsquelle ist auch Handlungsort eines Teiles
der Wittekindsage:

Der Sachsenführer Widukind war im Gebirge auf der Flucht vor seinen Verfolgern. Erschöpft und fast verdurstend soll er den Übertritt zum Christentum gelobt haben, wenn Gott ihm ein Zeichen gebe. In diesem Moment scharrte sein Pferd mit den Hufen und eine Quelle entsprang mitten aus den Felsen.

Nach einer anderen Darstellung stritten Karl der Große und Widukind in der Burg heftig über Glaubensfragen. Schließlich, nachdem Widukind von Kaiser Karl ein Zeichen für die Wahrheit seines Glaubens verlangt hatte, habe das Pferd des Kaisers mit den Hufen gescharrt. Von da an soll an dieser Stelle die Quelle gesprudelt haben. Dies hat Widukind so beeindruckt, dass er sich taufen ließ.

Rolf Plöger

 

Planausschnitt mit Wittekindsquelle und Margarethenkapelle.
 
 

Gemälde aus dem Hotel Wittekindsburg. Es zeigt, wie der Sage nach die Quelle entstand (Prof. Mündelein, Paderborn, 1904).
 
Wittekindsquelle,
Abbildung um 1900
 

Altes Foto der Wittekindsquelle, als sie noch Wasser führte. Gut zu erkennen ist der kleine Teich.
 
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Die nord-süd-verlaufende Trennmauer
Direkt am Fuß der etwa 3 m hohen Felsklippe, unterhalb der südlichen Abschlussmauer der Kreuzkirche fanden sich bei einer weiteren Prospektion, die der Suche nach dem Verbleib von Versturzmaterial der Kirche galt, die Reste einer zweischalig konstruierten Trockenmauer aus Bruchsteinen. Die Existenz dieser Mauer auf der Wittekindsburg war der archäologischen Forschung bisher nicht bekannt. Das Bauwerk war nach Süden noch etwa 22 m zu verfolgen, wobei die Erhaltung in dem stark hängigen Gelände nach Süden immer schlechter wurde. Bemerkenswert war die Tatsache, dass die Mauer offensichtlich ohne jegliche Fundamentierung auf die damalige Oberfläche gesetzt wurde, wobei die unterste Steinlage zusätzlich noch größtenteils der Hangneigung folgte.

An einem Profil, etwa 5 m südlich des Klippenfußes, wies die Mauer an ihrer Basis eine Breite von etwa 2 m auf und war im Aufgehenden noch etwa 0,7 m hoch erhalten. Die zweischalige Konstruktion zeigte sich durch exakt gesetzte Fronten nach Osten und Westen sowie durch eine Füllung aus überwiegend kleinteiligen Steinen und Lehm. Deutlich war weiterhin durch die Lage des Versturzmaterials zu erkennen, dass die Mauer nach Osten umgekippt war. Zumindest an dieser Stelle ließ sich durch die Menge des vorhandenen Versturzes eine Mindesthöhe von ungefähr 2,5 m errechnen.

Etwa 13 m südlich des Klippenfußes lagen unter Mauerversturz die Reste einer hangabwärts sorgfältig mit Bruchsteinen eingefassten, nahezu runden Feuerstelle von 1,5 m Durchmesser. Im Umfeld des Befundes konnten die bislang einzigen bekannten frühmittelalterlichen Scherben von der Wittekindsburg geborgen werden. Es handelt sich um die Fragmente zweier handgeformter Kugeltöpfe mit kurzen, nach außen abknickenden Rändern, die der zweiten Hälfte des 9. und der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zugerechnet werden können.

Aus dem Bereich der Feuerstelle verfügen wir darüber hinaus über zwei kalibrierte 14C-Daten, die zwischen 784+/-97 und 821+/-94 liegen. Die zeitliche Einordnung der Keramik und die 14C-Daten dürfen in der Tendenz als gleichzeitig betrachtet werden. Damit kann von einer Nutzung der Burg, zumindest in dem untersuchten Bereich, im 9. und vielleicht auch noch im 10. Jahrhundert ausgegangen werden. Da eine direkte Verbindung der Mauer mit der Feuerstelle nicht nachweisbar war, kann sie zeitlich nicht näher eingegrenzt werden. Sicher ist nur, dass sie irgendwann über der Feuerstelle zusammenbrach.

Man kann davon ausgehen, dass die Mauer aufgrund ihrer Mächtigkeit fortifikatorischen Charakter besaß und innerhalb des Gesamtgefüges der Wittekindsburg sicherlich eine wichtige Funktion hatte. Ungeklärt ist aber, ob sie zur Grundkonzeption der Anlage gehörte und möglicherweise von Beginn an eine kleinere Hauptburg in Nord-Süd Richtung von einer größeren Vorburg trennte, oder ob sie nachträglich, etwa zur Reduzierung des Burggeländes aufgebaut wurde. Ebenso ist nicht sicher, ob sie an den Wall nördlich der Klippe anschloss und im Süden bis an den Steilhang herangeführt war.

Eine Gleichzeitigkeit der Mauer mit der Kreuzkapelle anzunehmen, ist aus zwei Gründen zweifelhaft. Zum einen scheinen beide Bauwerke nicht in einem einheitlichen Kontext zu stehen, was durch ein Abweichen der Ausrichtung der Mauer aus der Nord-Südachse der Kirche deutlich wird. Zum anderen würde die Kirche, vorausgesetzt die Mauer würde das Burgareal vom Nordwall bis zum südlichen Steilhang durchqueren, sowohl in der Haupt- als auch in der Vorburg gelegen haben, was vordergründig keinen Sinn ergeben würde.

 

Planausschnitt mit der Trennmauer unterhalb der Kreuzkirche.
 

Blick auf die Nord-Süd verlaufende Trennmauer von der Klippe nach Süden.
 

Blick auf die nach Osten umgestürzte Trennmauer.
 
 

Fragmente zweier handgeformter, frühmittelalterlicher Kugeltöpfe
(ca. 850 - 950 n.Chr.).
 
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Die Margarethenkapelle
Die Margarethenkapelle liegt im östlichen Teil der Wittekindsburg. Sie ist ein schlichter, einschiffiger, ca. 9,50 m breiter und 16 m langer Saalbau aus Sandsteinquadern; eine Apsis ist nicht vorhanden. Der Eingang befindet sich an der Nordseite; die Fenster der Kapelle sind einteilig und rundbogig.

Die Margarethenkapelle wird allgemein in das frühe 13. Jahrhundert datiert. Ob sie auf den Grundmauern des 993 in der Wittekindsburg gegründeten Klosters errichtet wurde, wie der Volksmund behauptet, ist bislang nicht bewiesen. Seit 1819 wurden beim Brechen von Steinen für die Festung Minden in der Nähe der Kapelle häufig menschliche Skeletteile gefunden. Dies deutet auf einen hier einst vorhandenen Friedhof.

Die heilige Margarethe gehört zur Gruppe der 14 sog. Nothelfer. Vornehmlich wurde sie von Gebärenden und Wöchnerinnen angerufen. Weiterhin finden wir sie als Patronin der Landleute, für die der Margarethentag (20. Juli, in manchen Gegenden der 13. Juli) als Zahlungstag galt.

Im Mittelalter scheint diese Heilige in Minden besonders verehrt worden zu sein. Im Zusammenhang mit der Domweihe von 1071 wird auch eine Reliquie der hl. Margarethe genannt. Diese, ein Armknochen, wird in dem wohl edelsten Reliquiar des Mindener Domschatzes bewahrt. Es handelt sich um ein Armreliquiar des 11. Jahrhunderts.

Die erste Erwähnung der Margarethenkapelle erfolgt in einer Urkunde von 1224. In diesem Jahr bekundet Bischof Konrad von Minden, dass Edelvogt Wedekind vom Berge dem Mindener Domkapitel die Vogteirechte in Gohfeld und über alle der Kirche St. Margarethe "in Widegenberg" gehörenden Güter für 20 Mark verpfändet. Genannt werden auch "die dort Gott dienenden Personen“. Weitere Erwähnungen von Geistlichen erfolgen in den Jahren 1267 und 1278.

1319 lösen die Edelherren Gerhard und Wedekind vom Berge, von dem Ritter Dethard von Slon und dessen Sohn Ludolf die diesen verpfändete „Advokatie der heiligen Margarethe in Widegenberg“ wieder ein.

Auch im Jahre 1428 wird ein Priester der Margarethenkapelle in einer Urkunde erwähnt.

In vorreformatorischer Zeit sollen von Minden über die Bölhorst, an der sich noch heute ein sog. Kreuzstein befindet, Prozessionen und Wallfahrten zur Kapelle stattgefunden haben. Einzelheiten dazu sind jedoch nicht bekannt.

Um 1460 schreibt der Mindener Domherr und Chronist Heinrich Tribbe über die Margarethenkapelle: „… Jene, die sie inne haben, erhalten sie nicht in Gebäuden, weil sie ohne Verschluss steht, was sehr schmerzlich ist, dass sie so ergiebige Pfründen auch ohne Lasten nicht erhalten können in ihrem Bestand, sondern der eine nahm die Glocken, der andere Steine und Opfergeräte.“

1747 vermerkt Culemann "... eine Stunde von Minden die Capellam Sct. Margarethae, so noch heutigen Tages in gutem Stande erhalten, und die Margarethen Clus genannt wird. Die Catholischen bedienen sich zuweilen im Jahr dieser Capelle zum Gottesdienst ..."

Eine 1796 gedruckte "Beschreibung der westphälischen Pforte" erwähnt, dass zur Kapelle "alle Jahre am Margarethentage gewallfahrtet wird".

Noch bis zur Aufhebung des Domstiftes im Jahre 1810 hatte der Inhaber der Domvikarie s. Dionysius auf seine Kosten einmal im Monat eine Messe in der Margarethenkapelle lesen zu lassen. Nach 1810 wurde das Bauwerk stark vernachlässigt und drohte einzustürzen. Die "Westphälische Gesellschaft zur Beförderung der vaterländischen Kultur" bewirkte bei der Königlichen Regierung Maßnahmen zur Sicherung der Bausubstanz. 1842 wurde die Kapelle wieder instand gesetzt. An einer Feier anlässlich der Renovierung nahm auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. teil

Im Jahre 1905 erfolgte erneut eine Renovierung der Margarethenkapelle. Sie erhielt einen Glockenstuhl und wurde neu geweiht.

An der Westseite der Kapelle befindet sich ein sog. Kreuzstein. Er hat eine Höhe von 1,85 m, eine Breite von 0,65 m und eine Tiefe von 0,32 m. Gefunden wurde er 1932, verborgen unter Laub und Erde, rund 3 m nördlich der Kapelle auf einem Weg. Auf seiner Vorderseite befindet sich ein erhaben herausgearbeitetes Kreuz mit langem Tragestab (Vortrage- oder Prozessionskreuz). Die späte Entdeckung ist sicherlich der Grund dafür, warum sich die Volkssage nicht, wie bei Kreuzsteinen üblich, mit ihm beschäftigt hat. Über die einstige Verwendung des Steines ist nichts bekannt. Die Bearbeitung auf nur einer Seite lässt an die Aufstellung an einer Wand oder an eine Grabplatte denken.

Rolf Plöger

 

Planausschnitt mit der mittlerweile versiegten Wittekindsquelle und Margarethenkapelle.
 

Margarethenkapelle
 

Das Innere der Kapelle während der letzten Renovierung. Mittlerweile sind die Wände wieder weiß gestrichen
 
 

Steinrelief (Kreuzstein) außen an der Westwand der Kapelle. Dargestellt ist ein Vortragekreuz, wie es bei Prozessionen verwendet wurde.
 
Margarethen-Armreliquiar aus dem 11. Jahrhundert, heute wie damals Teil des Mindener Domschatzes.
 
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Königslinde
Im August 1842 hielt sich der damalige König Friedrich Wilhelm IV. mit seiner Gemahlin Elisabeth in Minden auf. Unter anderem wurde er auch gebeten, an einer Feierstunde anlässlich der Renovierung der Margarethenkapelle (für die er die nötige Summe bewilligt hatte) teilzunehmen.

Am 23.8.1842 ließ sich der König an den Fuß des Berges fahren, um dann angesichts des schönen Wetters zu Fuß auf einem neu angelegten Weg zur Kapelle zu gehen.

Im Anschluss an die Besichtigung der Margarethenkapelle wurde in seiner Anwesenheit eine Linde gepflanzt, die später den Namen „Königslinde“ erhielt und heute unter Naturschutz steht. Um die Umgebung der Kapelle zu verschönern, waren zuvor bereits zahlreiche Ziergebüsche gepflanzt worden.

Anschließend nahm Friedrich Wilhelm IV. an einem Festmahl der Stadt Minden teil. Zu diesem Zweck hatte man ein großes Zelt erbaut worden, da es bis auf die Kapelle zu diesem Zeitpunkt kein weiteres Gebäude im Bereich der Wittekindsburg gab.

Um eine bequeme Auffahrt des Königs zur Kapelle herzustellen, war das Forstamt beauftragt worden, eine Schneise durch den Wald zu schlagen und einen Weg anzulegen – der spätere „Königsweg“.

Die 1842 beim Wegebau gefundenen Münzen belegen, dass zumindest ein Teilabschnitt schon in der Zeit des 11. bis 14. Jahrhunderts genutzt wurde.

Rolf Plöger

 

Planausschnitt mit der Königslinde
 
 
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Berghotel Wittekindsburg
Das heutige "Berghotel Wittekindsburg" wurde 1895/96 erbaut. Es handelt sich um ein 2-geschossiges, 5-achsiges Gebäude. Der Sockel und das Erdgeschoss wurden aus Bruchsteinen mit doppelten Rechteckfenstern errichtet. Das Obergeschoss zeigt Schmuckfachwerk. In der Mitte des Bauwerkes befindet sich ein hoher Turm aus Bruchsteinen mit einem auskragenden Fachwerkobergeschoss und einem spitzen pyramidenförmigen Dach. Das heute geschlossene Obergeschoss war einst nach allen Seiten offen und diente als Aussichtsplattform.Im Westen schließt sich an das Hauptgebäude ein 6-achsiger Fachwerkanbau an, der sog. Festsaal.Das "Berghotel Wittekindsburg" steht heute unter Denkmalschutz. Große Teile des Gebäudes, aber auch die Flügeltür, die Thekeneinrichtung und der Festsaal stammen noch aus der Erbauungszeit.

Unweit der heutigen Gaststätte befand sich einst ein 1893/1894 von einer Aktiengesellschaft errichteter Vorgängerbau. Der Betrieb wurde anfangs vom Pächter des Hotels „Kaiserhof“ in der Porta mit übernommen. Das Wasser für die Gaststätte soll mit einem Eselsgespann von der damals noch sprudelnden Wittekindsquelle geholt worden sein. Darauf, dass beide Gastbetriebe zumindest kurzzeitig nebeneinander bestanden haben, könnte eine Postkarte aus dem Jahre 1896 deuten. Auf ihr sind das "Hotel zur Wittekindsburg" (das heutige "Berghotel Wittekindsburg") und ein Fachwerkgebäude mit rotem Ziegeldach zu sehen, das den Namen "Wirtshaus zur Kapelle" trägt. Wann letzteres abgerissen wurde, ist nicht bekannt.

Die Erbauung von Gaststätten in der Wittekindsburg hat ihre Ursache in der zunehmenden Beliebtheit von Wanderungen und Ausflügen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Gerade der Raum um die Porta Westfalica hatte großen Zulauf und erfreute sich nach der Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Jahre 1896 nochmals zunehmender Beliebtheit.

Rolf Plöger

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Tel. + Fax: 05 71 / 7 16 67

Anfahrt: Richtung Denkmal, Abzweig "Wittekindsburg"
(Parkplatz für Hotelgäste)

Fußweg: 20 Minuten westlich des Kaiser-Wilhelm-Denkmals (PKW- und Busparkplatz)

 

Blick von der Drachenflugschanze auf das Wesertal.
 

Das jüngste Baudenkmal ist das 1894 errichtete Gasthaus mit dem fast unverändert gebliebenen Tanzsaal.
 

Hotel zur Wittekindsburg, um 1920, mit offenem Turmobergeschoss.
 

Berghotel Wittekindsburg, 1999
 
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